Mittwoch, 2. Mai

Heute wurde ein Stahlwerk in Siegen besucht. Um es kurz zu beschreiben: Vorne kommt Schrott hinein, und hinten kommt hochwertiger Stahl heraus. Der Fertigungsprozeß, der dazwischen liegt, wurde uns dann gezeigt und beschrieben.

Mit schwerem Gerät kam der Stahlschrott zunächst in riesige Behälter, in denen er über den Schmelztiegel gehoben wurde. Nachdem der Deckel den Tiegel wieder verschlossen hatte, senkten sich dicke Elektroden von oben in den Schmelztopf, und unter Donnern und Getöse begann der Stahl zu kochen. Hatten wir bis jetzt aus der Kabine der Anlagenbediener heraus zugeschaut, gingen nun alle nach draußen in die große Halle, um auch einmal hinter den Topf zu schauen. Jetzt wurde klar, warum wir vorher mit schützenden Kitteln, Helmen, Schutzbrillen und Ohrstöpseln ausgestattet worden waren: In der Halle tobte ein infernalischer Lärm, und alles vibrierte, daß es im Bauch kribbelte wie hinter einer dicken Baß-Box bei einem Rockkonzert.

Beim Rundgang durch die Fertigungshallen sahen wir, wie aus dem flüssigen Stahl meterlange Stahlstangen gezogen wurden. In der nächsten Halle liefen dicke Stahlquader in einen riesigen Backofen, an dessen anderem Ende sie rotglühend wieder heraus kamen. An der nächsten Station wurden die glühenden Quader mittels Rollen und Pressen in die Länge gezogen und weiter transportiert, nach einem weiteren Arbeitsgang waren aus den Quadern schließlich lange, dünne und immer noch glühende Stangen geworden.

Während des weiteren Rundgangs, der insgesamt zweieinhalb Stunden dauerte, hatten wir dann auch einige Endprodukte wie lange runde Stangen aus Stahl gesehen, und, wie diese schließlich, mit glatter Oberfläche und gebündelt, auf ihren Transport zum Kunden warteten. Die Vertreter der Regionalgruppe Nordhessen bedankten sich für die äußerst eindrucksvolle Führung, während der wir im wahrsten Sinn des Wortes hautnah miterleben konnten, wie aus Schrott wieder hochwertige Stahlprodukte entstehen.

Die Schüler waren unserem Rat gefolgt und hatten für diesen Tag nicht ihre beste Kleidung angelegt. Wer keine festen Schuhe mitgebracht hatte, wurde mit Schuhwerk aus den Reihen der RG Nordhessen versorgt. Bei den meisten von uns hatte der Rundgang Spuren hinterlassen, vor allem, wenn man sich mit schmutziger Hand einige Schweißtropfen aus dem Gesicht gewischt hatte. Nachdem dann alle, Wasser und Seife sei Dank, wieder vorzeigbar waren, fuhren wir zu einem großen Einkaufszentrum mitten in Siegen und am Nachmittag dann weiter nach Friedewald. Dort warteten Monika und Rudolf mit einem leckeren Gulasch bereits auf die Reisegruppe.